Deutschland – Industrie unter Preisdruck, politische Kurskorrekturen
Die wirtschaftliche Dynamik bleibt hinter dem europäischen Mittel zurück, während die Erwartungen für 2026 deutlich freundlicher ausfallen, jedoch von dämpfenden Risiken flankiert werden. Besonders die Importoffensive aus China setzt Automobil- und Chemieunternehmen hierzulande unter spürbaren Preisdruck. Obwohl Deutschland nicht unmittelbar in den Konflikt zwischen den USA und China verstrickt ist, geraten Margen und Wettbewerbsfähigkeit durch den Kostenvorteil der Konkurrenz ins Wanken.
In der Außenpolitik mahnt SPD-Politiker Adis Ahmetović eine strategische Neuausrichtung gegenüber Peking an. Er fordert, wirtschaftliche Abhängigkeiten zügig zu verringern und betont, dass die Unternehmensseite dabei eine zentrale Verantwortung trägt.
Bei den Rüstungsausfuhren nimmt die Bundesregierung eine Lockerung vor. Nach den im August im Kontext des Gaza-Konflikts eingeführten Einschränkungen wird die Genehmigungslinie für Lieferungen nach Israel wieder geöffnet, was eine veränderte Exportpraxis erkennen lässt und den Warenfluss erleichtert.
Auf dem Arbeitsmarkt fällt die Bilanz der Erwerbszuwanderung ernüchternd aus: 2024 verzeichnete Deutschland einen Rückgang um 32 Prozent. Ökonominnen und Ökonomen erinnern gleichzeitig daran, dass die alternde Bevölkerung die Zuwanderung von Fachkräften dringend benötigt.
Die Cannabiswirtschaft warnt vor einem massiven Dämpfer des Medizinalsegments. Geplante starke Beschränkungen durch Gesundheitsministerin Nina Warken könnten das Volumen halbieren, wogegen Start-ups und etablierte Anbieter deutlich Position beziehen.
Im Telekomsektor wird eine Verschlankung gefordert. Ein meinungsstarker Beitrag plädiert für weniger Konkurrenz im Mobilfunk und für Zusammenschlüsse, da vier Netzbetreiber als überdimensioniert gelten.
Der Bausektor sendet gegenläufige Signale. Hamburg kündigt nach dem Debakel um den Elbtower Maßnahmen an, die Baukosten senken sollen – ein Signal an eine angeschlagene Branche. Gleichzeitig stockt der angekündigte Beschleunigungsprozess, weil Enteignungspläne den Wohnungsbau hemmen und damit Tempo sowie Planungssicherheit belasten.
Technologisch setzt die Schwarz‑Gruppe einen kräftigen Akzent: Elf Milliarden Euro fließen in ein KI‑Rechenzentrum im Spreewald. Die Anlage ist für mehr als 100.000 KI‑ und Grafikprozessoren ausgelegt, soll Cloud‑Dienste auch externen Kunden bereitstellen und die Daten von Lidl und Kaufland vor unbeabsichtigtem Abfluss schützen.
Für Privatversicherte steigen die Beiträge merklich: In der privaten Krankenversicherung wird im kommenden Jahr im Schnitt ein Plus von 13 Prozent fällig. Parallel entfacht ein Vorstoß der SPD‑Bundestagsfraktion eine Debatte über ein mögliches Aus des Rechnungskaufs im Onlinehandel, was laut Branchenverband Zahlungspräferenzen und Konversionsraten tangieren könnte. Bei der digitalen Überwachung von Beschäftigten zeigt sich, dass mithilfe von Kommunikations- und Arbeitsplatzbuchungs‑Software zahlreiche Eingriffe rechtlich zulässig sind; die Grenzen werden jedoch klar umrissen. Ein Überblick zu Bio‑Siegeln im Handel schafft zudem Orientierung über die wichtigsten Kennzeichnungen.
Die sozialen Belastungen rücken stärker in den Fokus. Pflegeheimkosten übertreffen häufig die Rentenansprüche; reichen die Mittel nicht, kann das Sozialamt auf das Eigenheim zugreifen und einen Verkauf verlangen. Eine Studie des IW dokumentiert dabei erhebliche regionale Preisunterschiede, die die finanzielle Lage von Pflegebedürftigen und Angehörigen unmittelbar prägen. Sozialstatistiken weisen 2,2 Millionen armutsgefährdete Minderjährige aus – mehr als jedes siebte Kind –, wobei eine Gruppe besonders häufig betroffen ist. Überschuldung wird durch Online‑Einkäufe befeuert, vor allem bei jungen Erwachsenen und Frauen; zudem unterscheiden sich die Schuldenhöhen zwischen den Geschlechtern deutlich.
Europa – Prognosen dämpfen, Regulierung nimmt Fahrt auf
Die Herbstprognose der EU rechnet bis 2027 nur mit schwachem Wachstum. Für Deutschland wird eine Entwicklung leicht unterhalb des EU‑Schnitts erwartet, zugleich nimmt die Schuldenquote weiter zu. Damit rücken fiskalische Spielräume und strukturelle Reformen stärker in den Mittelpunkt der europäischen Debatte.
Ein führender Notenbanker warnt vor neuen Risiken für die Geldpolitik: Ein abrupter Abzug aus Stablecoins könnte die Europäische Zentralbank zu einer Zinssignaländerung zwingen. An US‑Vermögenswerte geknüpfte Token könnten eine systemrelevante Dimension erreichen und die Finanzstabilität in den Vordergrund rücken.
Handelspolitisch verschärft sich der Ton. Die EU lehnt eine Ausnahme Indiens von der CO2‑Grenzabgabe ab. Dieser Dissens erschwert eine Einigung über ein Handelsabkommen bis zum Jahresende und belastet das Verhältnis zweier bedeutender Wirtschaftspartner.
In der Schweiz kühlte die Konjunktur im dritten Quartal spürbar ab. Besonders Pharma und Chemie verzeichneten einen kräftigen Rückgang; der Dämpfer fiel in die Phase vor einem US‑Zollabkommen. Spanien setzt zugleich einen markanten Punkt: Erstmals seit zwei Jahrzehnten liegt das Defizit unter dem Deutschlands, begünstigt durch politische Paralyse – ein Bruch mit dem früheren Muster.
Industriell vertiefen Renault und Nissan ihre seit 1999 bestehende Kooperation und planen Fertigung in Frankreich. Renault erhofft sich über den Partner Zugangsvorteile in einem Zielmarkt, während bei Nissan zuletzt eine schwächere Entwicklung zu verzeichnen war.
Im Anlagemarkt sieht Vanguard‑Manager Chris Hofmann den Aufschwung bei ETFs erst am Anfang. Das Segment wächst schnell, der Wettbewerb verschärft sich, und es wird erläutert, wie Anbieter unter härteren Bedingungen Erträge erzielen. Zugleich können Anleger zu viel gezahlte Fondskosten zurückfordern; bislang machen nur wenige davon Gebrauch, obwohl der Weg und die Zielgruppen beschrieben sind.
Aus den Medien: Das vollständige Interview mit Olaf Sleijpen liegt nun vor und dokumentiert den gesamten Gesprächsverlauf. Zudem veröffentlichte die FT ihre Jahresliste der besten Bücher 2025 zu Wirtschaft, Politik, Geschichte, Wissenschaft, Kunst, Essen und Belletristik – ausgewählt von den eigenen Autorinnen, Autoren und Kritikerinnen, Kritikern.
USA – Lieferketten neu geordnet, Handelspolitik unter Druck
In der Automobilbranche verschärft Tesla die Vorgaben an Zulieferer: Komponenten aus China sollen durch Fertigung in Mexiko ersetzt werden, um Störungen im Warenfluss vorzubeugen und die Abhängigkeit vom chinesischen Bezug zu verringern.
Gleichzeitig steht die US‑Zollpolitik mit Strafzöllen politisch zunehmend unter Druck, was weitere tarifäre Schritte erschwert und die Planbarkeit für Unternehmen und Handelspartner beeinträchtigt.
Aus dem Finanzsektor vermeldet ein Branchennewsletter eine anhaltend starke Dominanz von Goldman bei Fusionen und Übernahmen. Zudem wird ein Kurswechsel Donald Trumps zu den Epstein‑Akten berichtet.
Asien – Geldpolitik auf Zeit, Handel im Gegenwind
In Japan verschafft das verlangsamte Wachstum der Notenbank eine Atempause. Die Regierung von Sanae Takaichi bekräftigt ihre Ablehnung höherer Zinsen, womit eine geldpolitische Wende vorerst ausbleibt.
Weltweit – Märkte, Forschung und Konsum unter Beobachtung
Am Kryptomarkt setzt der Bitcoin seine Abwärtsbewegung fort; selbst optimistisch gestimmte Beobachter senken ihre Kursziele. Damit stellt sich die Frage, ob der Boom in digitalen Werten an ein Ende gelangt ist.
In der Medizin melden Forschungsteams Fortschritte mit laseraktivierten Antikörpern, die Tumorgewebe von innen attackieren sollen, um Behandlungen präziser und schonender zu gestalten.
Im Konsumsektor gerät die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitssiegeln in den Fokus. Schokoladenhersteller werben zwar mit Fairtrade‑ und anderen Labels, ein Bericht konstatiert jedoch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit und stellt die Wirksamkeit sowie die Kontrolle der Siegel in Frage.
Neue Unterhaltungskonzepte erreichen auch das Wasser: Maurer Rides ermöglicht Loopings auf schwimmenden Plattformen und erschließt damit bislang ungenutzte Standorte für Freizeitattraktionen.
Aus der Unterhaltungsbranche kommt eine Rangliste: Forbes veröffentlichte im Februar 2025 die Namen der bestbezahlten Schauspielerinnen und Schauspieler für das Jahr 2024, ohne konkrete Beträge zu nennen. Zudem meldet der Newsletter der FT einen Vorsprung der extremen Rechten bei der chilenischen Präsidentschaftswahl.
