Deutschland – Konzerne zwischen Rekorden und Kursdruck
Berichte über einen möglichen Ausstieg des US-Partners setzen die Biontech-Aktie unter spürbaren Abgabedruck. Pfizer will demnach nicht länger beteiligt bleiben und trennt sich nach der gemeinsamen Impfstoffentwicklung von seinen Anteilen.
Beim 15-Milliarden-Euro-Mischfonds DWS Concept Kaldemorgen zieht sich Namensgeber Klaus Kaldemorgen aus dem operativen Management zurück. Die Anlagestrategie des Fonds bleibt unverändert.
Siemens treibt unter Vorstandschef Roland Busch den Konzernumbau weiter voran. Trotz einer dritten Rekordgewinnserie in Folge und einer starken Position in der Automatisierungstechnik geriet die Aktie unter Druck. Finanzvorstand Ralf Thomas scheidet früher aus, die Nachfolge durch Bienert ist für 2025 terminiert.
Die Deutsche Telekom will eine Rekorddividende ausschütten und zusätzlich umfangreiche Aktienrückkäufe starten. Rückenwind liefert das Wachstum der US-Tochter T-Mobile, während ein anderes Geschäftsfeld als Belastungsfaktor gilt.
Bei Bertelsmann ist der Führungswechsel terminiert: Thomas Coesfeld übernimmt 2027 den Vorsitz des Vorstands und folgt damit auf Thomas Rabe.
Zehn Jahre nach Bekanntwerden des Abgasbetrugs stehen fünf Mitarbeiter von Volkswagen wegen der mutmaßlichen Mitentwicklung der Manipulationssoftware vor Gericht. Im Falle einer Verurteilung drohen Haftstrafen.
Deutschland – Finanzierungslücken, Reformstau, Regulierung
Union und SPD wollen die Deckungslücke in der sozialen Pflegeversicherung mit einem zusätzlichen Darlehen von 1,7 Milliarden Euro kurzfristig stopfen. Die Grünen sprechen von maximal unsolider Haushaltspolitik; angestrebt wird eine schnelle Mittelbereitstellung ohne sofortige Beitragserhöhungen.
Bei der Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes ringen Union und SPD unter erheblichem Zeitdruck. Die Positionen bleiben weit voneinander entfernt.
Mehr als 30 Wirtschaftsverbände bezeichnen das Rentenpaket als nicht tragfähig und warnen vor massiven Zusatzkosten. Ein Protestbrief stärkt Kritikern innerhalb der Koalition den Rücken.
Das Ifo-Institut kritisiert, im Bundeshaushalt 2026 würden Milliarden als Investitionen ausgewiesen, die im Kern Kredite an die öffentliche Hand darstellen.
Unternehmen verlangen mehr Tempo beim Klimaschutz, verweisen auf bereits erhebliche Investitionen und überreichen der Bundesregierung einen Katalog an Forderungen. Neue Daten zeigen gleichzeitig, dass Elektromobilität weltweit die Führung übernommen hat, während in Deutschland weiterhin über ein Verbot von Verbrennungsmotoren gestritten wird.
Deutschland – Verbraucher, Gerichte und Sicherheitslage
Pflegekosten übersteigen häufig die Renteneinkünfte. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Sozialamt auf das Eigenheim zugreifen, im Extremfall bis hin zum Hausverkauf zur Finanzierung der Pflege.
Der Bundesgerichtshof dämpft die Hoffnungen von Wirecard-Aktionären auf Entschädigungen aus der sehr geringen Insolvenzmasse. Den geltend gemachten Schäden von 15,4 Milliarden Euro stehen nachrangige Ansprüche der Anteilseigner gegenüber.
Wegen stark gestiegener Preise für Kakao und Schokolade infolge von Klimawandel, Extremwetter und Ernteausfällen reagieren Hersteller mit Qualitätsabbau, etwa durch geringere Schokoladenanteile in Müsliprodukten.
Die Frühstart-Rente öffnet zwar Kindern den Zugang zum Kapitalmarkt, laut Kritik profitieren anfangs jedoch vor allem Sechsjährige.
Die Cyberabwehr leidet weiterhin unter einem anhaltenden Fachkräftemangel und einer zögerlichen Umsetzung bekannter Schutzmaßnahmen.
Eine Einschätzung zur Agenda 2030 bewertet den angekündigten Reformherbst als bloße Rhetorik, während sich zunehmend Stimmen von der Großen Koalition abwenden.
Die Grundsteuer-Reform erzeugt Millionen Einsprüche und führt zu erheblichen Unterschieden zwischen Städten, die sich auf mehrere hundert Euro summieren können.
Europa – Brüssel zieht Stellschrauben nach
Päckchen mit geringem Warenwert aus Nicht-EU-Staaten sollen künftig in der EU verzollt werden. Die bis Mitte 2028 vorgesehene Freigrenze dürfte angesichts stark steigender Sendungsmengen vorzeitig entfallen; Handelskommissar Maros Sefcovic bringt eine Vorverlegung ins Spiel.
Das Europäische Parlament votierte in geheimer Abstimmung mit knapper Mehrheit und nach hunderten Änderungsanträgen für eine abgeschwächte Variante des Lieferkettengesetzes. Auch extrem rechte Fraktionen trugen das Ergebnis mit, sodass die Schlussverhandlungen starten können.
Zudem beschloss das Parlament eine Verschiebung des Emissionshandels und setzte ein Klimaziel für 2040. Der Ankauf von Zertifikaten könnte sehr teuer werden, Fortschritte sollen im Zweijahresrhythmus überprüft werden.
Die EU-Kommission leitete ein Kartellverfahren gegen Red Bull ein. Im Raum steht der Verdacht, Konkurrenzprodukte gezielt zu behindern; Ergebnisse oder Sanktionen liegen noch nicht vor.
Europa – Branchenlage von Banken bis Netzen
Anleger, die auf steigende Ausschüttungen und Kursfestigkeit aus sind, wenden sich verstärkt Banktiteln zu, trotz branchenspezifischer Risiken.
Beim ETF-Handel können Transaktionskosten die laufenden Gebühren übersteigen. Amundi-Manager Gregoire Blanc nennt Kaufzeitpunkte, Spreads und Orderarten als die zentralen Kostentreiber und rät, diese Faktoren stärker zu gewichten.
Der Einzelhandel kritisiert EU-Vorgaben für bargeldloses Bezahlen. dm-Chef Christoph Werner befürwortet unbare Zahlungsmittel als Kunde, sieht jedoch regulatorische Hürden für effiziente Prozesse.
In der Telekommunikation melden Anbieter wie Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica deutliche Rückgänge. Personalwechsel an der Spitze greifen kaum gegen die tieferliegenden Probleme.
Großbritannien und Österreich – Schwächezeichen und Rücktritte
In Großbritannien sank das Bruttoinlandsprodukt im September um 0,1 Prozent. Schwache Daten für das dritte Quartal, besonders in der Industrie, erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember.
In Österreich trat WKÖ-Präsident Harald Mahrer nach Kritik an Vergütung und Ämterhäufung zurück, nachdem er zuvor versucht haben soll, den Machtentzug abzuwenden.
Europa verfehlt derweil seinen Anspruch auf größeres Gewicht in der Weltwirtschaft. Brüssel tut sich schwer, sich an eine von Konflikten geprägte Ordnung anzupassen.
USA – Finanzstress, Preise und Industriepläne
Zwei Insolvenzen in den USA nähren die Furcht vor einer neuen Finanzkrise. Experten machen riskante Kreditstrukturen und die explosive Zunahme von Private Credit als Treiber aus.
Alternative Daten signalisieren für Oktober eine gedämpfte Preisentwicklung und wenig zusätzliche Preisdynamik.
Toyota plant in den kommenden fünf Jahren Investitionen von bis zu 10 Milliarden US-Dollar in den USA. Die Ankündigung ergänzt eine Zusage aus Tokio über 550 Milliarden Dollar im Gegenzug für niedrigere Zölle.
Die Vereinigten Staaten verhängten im Sommer Zölle von 39 Prozent auf Einfuhren aus der Schweiz. Ein Schweizer Minister reist zu Gesprächen nach Washington, eine Einigung könnte bevorstehen.
Die USA zogen 900 Millionen US-Dollar aus einem IWF-Konto ab, als eine argentinische Tilgung anstand. Die Devisenreserven in Buenos Aires stiegen um denselben Betrag; Washington will damit die Regierung von Javier Milei stützen.
Boeing leistete erstmals Entschädigungszahlungen an Hinterbliebene des Absturzes in Äthiopien im März 2019. Nicht alle Angehörigen akzeptieren die Ausgleichsangebote.
Asien – E-Commerce unter Ertragsdruck
JD.com verzeichnete einen Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent und treibt zugleich die Übernahme der Mediamarkt-Mutter Ceconomy voran. Trotz schwacher Zahlen fiel die Börsenreaktion positiv aus, die Aktie legte zu.
Rest der Welt – Anleihen, Energie und Gipfeldiplomatie
Eine IBRD-Währungsanleihe in mexikanischem Peso rentiert mit rund acht Prozent. Der Peso gilt als stabilisiert, der Ausblick für Mexiko als zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas hellt sich auf.
Der russische Ölkonzern Lukoil steht wegen US-Sanktionen unter massivem Druck. Der Notverkauf von Auslandstöchtern kommt nicht voran, da die USA blockieren.
Der Bitcoin hat zuletzt deutlich an Wert verloren; selbst optimistische Beobachter senken ihre Kursziele.
Die G20 gilt als weitgehend inaktiv, nachdem die USA und Argentinien den Gipfel in Südafrika abgesagt haben. Delegationen wollen das Format verstärkt für bilaterale Gespräche nutzen.
