Deutschland: Industrie im Umbau, Politik im Eiltempo
Die Luftfahrt- und Mobilitätsbranche erlebt nach mehreren Insolvenzen einen tiefen Einschnitt: Auf den Zusammenbruch von Lilium vor einem Jahr folgte kurz darauf Volocopter. Seither prüfen Insolvenzverwalter potenzielle Geldgeber, die vom Kreis mutmaßlicher Kryptomilliardäre bis zu Scheichs reichen.
Im Fernverkehr setzt die Deutsche Bahn erstmals auf Talgo und stationiert den ICE L zunächst zwischen Köln und Berlin. Das neue Fahrzeugkonzept bringt spürbare Veränderungen, dennoch bleibt Siemens als Partner eingebunden.
Bei Porsche steht ein Führungswechsel an: Oliver Blume gibt nach einer Dekade den Chefsessel ab und konzentriert sich auf Volkswagen, wo sein Vertrag verlängert wurde. Michael Leiters, mit Stationen unter anderem bei McLaren, übernimmt als CEO. Beobachter halten ihn für den richtigen Taktgeber eines Sanierungskurses und monieren den späten Zeitpunkt des Wechsels.
Im Softwaresektor greift Celonis zu juristischen Mitteln und verklagt SAP wegen angeblicher Patentverletzungen vor drei Gerichten in Texas sowie in München. Im Handel mit Gebrauchswaren übernimmt Claudia Frese die Spitze von Momox; ihr Vorgänger Heiner Kroke hat seit 2012 den Umsatz mehr als verachtfacht. Im Mediengeschäft stellt die taz nach 46 Jahren ihre werktägliche Printausgabe ein.
Die Baupolitik nimmt Fahrt auf: Ein geplanter Bau-Turbo soll Genehmigungen im Wohnungsbau beschleunigen. Bereits im August legten die Baugenehmigungen um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, getragen vor allem von privaten Häuslebauern. Der Aufschwung setzte ein, bevor die neuen Verfahren greifen. Nördliche Bundesländer drängen den Bundeskanzler per Schreiben auf zusätzliche Milliarden für den Ausbau der Autobahnen. Der Bund der Steuerzahler rügt bei staatlichen Prestigevorhaben wiederkehrende Verzögerungen, explodierende Budgets und mangelnden Nutzen. Steigende und stark schwankende Spritpreise lenken den Blick auf das österreichische Preismodell als möglichen Referenzpunkt.
Arbeitsministerin Bas hat eine Reform des Bürgergelds vorgelegt, die die Ausgaben dämpfen soll, kurzfristig jedoch keine Einsparungen im Milliardenmaßstab bringt. Parallel treibt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine Neuordnung des Sozialstaats voran, streicht das Bürgergeld aus seinem Konzept und schlägt eine Aktivrente vor; in der schwarz-roten Koalition gilt er als Schlüsselfigur für Kompromisse. Im Gesundheitswesen kalkuliert das Bundesministerium für 2026 mit Krankenhausausgaben von 120 Milliarden Euro nach 112 Milliarden im laufenden Referenzjahr – trotz Sparpaket von Minister Warken ein historischer Höchststand. Auf der IWF-Tagung, überschattet von Befürchtungen einer neuen Bankenkrise, kritisiert Lars Klingbeil den US-getriebenen Deregulierungsdrang im Bankensektor.
In der Arbeitswelt reagieren Unternehmen häufiger mit Detektiveinsätzen auf Verstöße bei der Arbeitszeit; gelingt der Nachweis, müssen Beschäftigte die Kosten tragen. Hausverwaltungen werden im Durchschnitt um 17 Prozent teurer; ein Gründer skizziert, wo in der Zusammenarbeit Effizienzreserven liegen. Gleichzeitig erhöhen große Brauereien ihre Preise, obwohl der Bierabsatz hierzulande den tiefsten Stand seit 1993 erreicht hat; der Branchenverband verweist auf Rabattsysteme. Juristisch klärt der Bundesgerichtshof, ob Wirecard-Aktionäre an der Insolvenzmasse partizipieren dürfen. In der Sympatex-Causa verhängte das Landgericht München I Bewährungs- und Geldstrafen gegen drei Angeklagte, darunter einen einstigen Eigentümer. Ein aktuelles Urteil markiert zugleich Grenzen der Lohnfortzahlung bei krankheitsbedingten Ausfällen nach frischen Tattoos. Ein Beitrag warnt vor Job-Hugging und den Tücken mangelnder Wechselbereitschaft, eine Kolumne vor dem Lähmungseffekt übermäßiger Analyse. Ein Überblick erinnert an zwanzig bedeutende deutsche Erfindungen. Oliver Bierhoff ordnet die wirtschaftliche Lage kritisch ein, beklagt fehlende Leistungskultur und fordert entschlossenes Aufbruchsmoment.
Europa: Technologiedruck, Handelsstreit und nervöse Märkte
Waymo startet in London einen autonomen Fahrdienst. Kommentatoren sprechen von einer entscheidenden Phase und mahnen mehr Risikofreude in der deutschen Autoindustrie an. Beim geplanten Zolldeal zwischen EU und USA wächst in der Industrie der Widerstand; besonders der Maschinenbau verlangt Nachschärfungen. Peking beschränkt Exportlieferungen von Nexperia, nachdem die niederländische Regierung zuvor eine Beschlagnahme veranlasst hatte. Die europäische Autoindustrie sieht dadurch das Risiko von Zulieferengpässen bis hin zu Produktionsstopps. Im Streit der USA und Chinas um Seltene Erden gilt Europa als strukturell benachteiligt, da der Kontinent zugleich von amerikanischen Digitaldiensten und chinesischer Verarbeitung kritischer Rohstoffe abhängig ist. Die Agnelli-Familie um John Elkann plant einen weitgehenden Rückzug aus dem Zeitungsgeschäft und stellt La Stampa und La Repubblica zum Verkauf.
Bankenängste drücken die Kurse auf den europäischen Parketts, Finanzwerte leiden überproportional. Ein Portfoliomanager konstatiert die Rückkehr von Krisenfurcht. Im Vereinigten Königreich sorgt ein China-Spionagefall für politische Kritik wegen Verzögerungen und mangelnder Transparenz. London und Washington rücken bei Medikamentenpreisen zusammen: Der NHS soll für ausgewählte Präparate deutlich mehr zahlen, im Gegenzug sollen US-Zölle auf britische Pharmaexporte sinken. Die Zeitumstellung bleibt auch 2025 erhalten; Sommer- und Winterzeit gelten weiter.
USA: Starke Konjunktur, wackelige Banken
Die US-Wirtschaft bleibt robust und wird maßgeblich vom KI-Schwung getragen. Die Nachfrage stammt vor allem von wohlhabenden Haushalten mit Aktienvermögen, während einkommensschwächere Gruppen unter Druck geraten. Sorgen um regionale Kreditinstitute verunsichern die Märkte und führten zu kräftigen Kursverlusten. Zusätzlich tritt der Befehlshaber des US Southern Command zurück, und gegen John Bolton wird Anklage erhoben.
In der Industrie- und Handelspolitik gewährt Merck in den USA Rabatte, um eine Aussetzung von Pharmazöllen zu erreichen. Beim Diabetesmittel Ozempic setzt Präsident Trump laut Bericht auf konfrontativere Mittel. Lewis Black, Chef des Wolframproduzenten Almonty, beschreibt die US-Regierung als größten Vorschlaghammer und möchte sie ungern im Aktionariat sehen. Trump bewertet die kumulierten China-Zölle von 157 Prozent als nicht tragfähig, hält aber an einem Treffen mit Xi fest.
Asien: Industrieambitionen und Kostenmacht
Die Autobranche steht global unter Druck. Hyundai verfolgt trotzdem ehrgeizige Ziele und stemmt sich gegen die branchenweiten Turbulenzen, während BMW und Volkswagen Schwächen zeigen. Aus der Windindustrie warnt Kai Wu, Vizepräsident von Goldwind, dass der Verzicht auf chinesische Technologie Energiekosten nach oben treibe; Chinas Kostenvorteil sei erheblich.
Weltweit: Rohstoffe, Klima-Regeln und Risikoappetit
Engpässe bei Seltenerdmetallen rücken als Anlagethema in den Vordergrund, weil Halbleiter-, Auto- und Rüstungsindustrie stark auf gesicherte Lieferketten angewiesen sind. Ein von den Vereinten Nationen gestütztes Net-Zero-Rahmenwerk für die Schifffahrt scheiterte in letzter Minute; berichtet wird von US-Blockadetaktiken im Nachgang zu Trumps Attacke auf den sogenannten green new scam. Beiträge verweisen zugleich auf widersprüchliche Signale der Weltkonjunktur – belastbar, zufrieden und verletzlich – und warnen vor dem Risiko einer Überlockerung, da Krisen heute schwerer zu stoppen sein könnten und Notenbanken unter zusätzlichem Druck stehen.
