Deutschland – Energiepreisfolgen, Umbauten und Konflikte
Die Teuerungsrate hat im September 2,4 Prozent erreicht. Besonders Dienstleistungen verteuerten sich gegenüber dem Vorjahr, während Nahrungsmittel im Schnitt unter der Gesamtinflation lagen und teils Preisentlastungen zu beobachten waren. Obst wurde dennoch deutlich teurer. Trotz sparsamen Heizverhaltens steigen die Wärmekosten weiter; Techem rät zu moderner Technik und betont, dass bloßes Verzichtsverhalten die Energiewende nicht tragen kann. Nach dem Wegfall günstiger Gasimporte aus Russland infolge des Krieges in der Ukraine drücken erhöhte Energiekosten die industrielle Produktion. Eine Untersuchung bescheinigt der Politik dabei ein zügiges Gegensteuern und hebt die Stabilität der Versorgung hervor. Bundesregierung und IWF rechnen im kommenden Jahr mit einer Erholung, der Fonds bleibt jedoch zurückhaltender und sieht für Deutschland ein Plus von 0,2 Prozent in 2024 und 0,9 Prozent in 2025; international fällt der Ausblick freundlicher aus.
Bei den Unternehmen stehen strategische Weichenstellungen im Vordergrund. Vodafone nimmt Samsung als dritten Ausrüster für das deutsche Mobilfunknetz unter Vertrag, spricht aber nicht von einem unmittelbar bevorstehenden Austausch vorhandener Huawei-Technik. Audi bereitet die Trennung von Beschaffungsvorständin Renate Vachenauer vor, nachdem sich Unmut in Aufsichtsrat, Betriebsrat und Teilen des Managements verfestigt haben soll. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb von Curevac durch Biontech freigegeben; der Mainzer Konzern landete mit Comirnaty während der Pandemie einen Erfolg, während Curevac keinen Marktdurchbruch erzielen konnte. Der in Deutschland insolvente Discounter Pepco schließt 28 Filialen und baut über 150 Stellen ab. Bei der Güterbahn DB Cargo fordert die EVG die Abberufung von Chefin Sigrid Nikutta; die Frachttochter schreibt anhaltend Verluste. Bayer nährt Hoffnungen auf Fortschritte in der Parkinson-Therapie und öffnet Labore für Einblicke, obwohl viele Zell- und Gentherapieansätze an hohen Kosten und begrenzten Patientenzahlen scheitern. Bei Tesla in Grünheide erhöht die IG Metall den Druck, während der Hersteller auf Distanz zu Gewerkschaften bleibt und der Streit um die Beschäftigtenvertretung vor der nächsten Betriebsratswahl an Schärfe gewinnt. Das Magazin Forbes listet die zehn vermögendsten Deutschen, zeigt den Spitzenreiter und die eng folgenden Milliardäre.
In Hamburg will die Stadt Flächen im insolventen Elbtower für ein Naturkundemuseum anmieten, obwohl zuvor keine öffentlichen Gelder vorgesehen waren. Der so vor dem Abriss bewahrte Turm sorgt politisch für Streit; die CDU wirft der Stadt einen Wortbruch vor.
Der Arbeitsmarkt im Handwerk ist angespannt: Die Bundesagentur für Arbeit meldet in jedem dritten Beruf erhebliche Engpässe, ein Betrieb in Niedersachsen lockt mit Wechselprämien von bis zu 5.000 Euro. Personalien setzen Akzente in der Industriepolitik: Der 64-jährige Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf tritt nach fünf Jahren vorzeitig zurück, obwohl sein Mandat bis Sommer 2026 datiert war. Kultur und Regulierung treffen sich in Frankfurt: Die Buchmesse erwartet bis Sonntag über 200.000 Besucher und 4.000 Aussteller; zur Eröffnung kritisiert der Börsenverein die unkontrollierte Aneignung von Inhalten durch große Tech-Konzerne und verlangt klare Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Eine Allensbach-Erhebung zeigt, dass Konsumpläne mit politischen Einstellungen korrelieren; auch Anhänger der AfD interessieren sich für Wärmepumpen. Für den Schutz der Arbeitskraft bietet eine Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich ist. Wirtschaftspsychologen verweisen zugleich darauf, dass mit zunehmendem Alter und nachlassenden kognitiven Fähigkeiten das Risiko steigt, beim Einkauf übervorteilt zu werden. Der Immobilienatlas der WirtschaftsWoche unterstützt bei der Einordnung von Wohnlagen, der Suche über Anbieter hinweg und liefert Kennzahlen zu Mieten sowie Kaufpreisen. In der Innenarchitektur verschwindet der separate Essraum vielerorts zugunsten des Esstischs im Wohnbereich; Beweggründe und Folgen werden analysiert. In der Debatte zur Erbschaftsteuer reichen die Positionen von der Sorge um die Zukunft des Familienunternehmens bis zur Kritik an Reichtum ohne eigene Leistung, verbunden mit der Einladung zur Diskussion im WirtschaftsWoche Club.
Europa – Wettbewerbshüter, Gerichtssäle, Wachstumskurs
In Österreich hat in Innsbruck der erste Strafprozess gegen Signa-Gründer René Benko begonnen. Der Unternehmer plädierte auf nicht schuldig, die Verhandlung wurde auf Mittwoch vertagt. Im Raum stehen Vorwürfe der Vermögensverschiebung und luxuriöser Ausgaben trotz drohender Insolvenz; bei einer Verurteilung sind bis zu zehn Jahre Haft möglich. Die EU-Kommission belegte Gucci, Chloé und Loewe wegen verbotener Preisabsprachen mit hohen Millionenstrafen. In der Logistik setzt die MSC-Gruppe ihre Expansion fort: Bereits an Bord sind der Hamburger Terminalbetreiber HHLA, eine Bahngesellschaft in Portugal und eine Frachtfluglinie; Easyjet könnte als nächste Übernahme ins Visier geraten.
Der IWF mahnt Großbritannien, das Risiko einer verfestigten Inflation ernst zu nehmen, und rät der Bank of England, Zinssenkungen erst bei klar nachlassendem Preisdruck zu erwägen. Parallel sind Leser eingeladen, am 16. Oktober um 13:00 Uhr BST Chris Giles in einem Live-Format Fragen zu stellen, während Regierungen in Europa und darüber hinaus Ausgaben straffen.
USA – Wall Street verdient, Vorsicht dominiert
Amerikanische Großbanken legten im Sommer deutlich zu, bleiben aber zurückhaltend im Ausblick. JP Morgan erhöhte die Prognose für den Zinsüberschuss erneut; Vorstandschef Jamie Dimon verweist auf geopolitische Risiken und persistente Inflation. Auch bei Goldman Sachs, Wells Fargo und Citi stiegen die Erlöse aus Handel und Investmentbanking im Jahresvergleich, gleichwohl prägen Unsicherheit und Preisauftrieb die Perspektive. JP Morgan stellt sein Handeln noch klarer unter das Motto America First und kündigt an, die Unterstützung für politische Prioritäten in Washington auszubauen. Ein Kommentar fordert, die Bundesregierung solle darauf mit größtmöglicher Marktorientierung reagieren. Johnson & Johnson spaltet die Orthopädie mit Knie- und Hüftimplantaten ab und richtet den Konzern stärker auf Bereiche mit höherem Wachstum aus.
Asien – Seltenerden als Hebel der Macht
Die Strategie der USA, sich in Schlüsselbereichen von China unabhängig zu machen, treibt im Streit um Seltene Erden wiederholt Kursanstiege bei Rohstoffwerten, der Konflikt verschärft sich. Vor dem Hintergrund neuer Zolldrohungen aus Washington erhebt Peking Gebühren für bestimmte Frachtschiffe; ähnliche Abgaben hatten die USA bereits zu Jahresbeginn angekündigt. Betroffen sind weltweit zahlreiche Containerschiffe und Öltanker. Die US-Finanzministerin deutet Chinas Exportkontrollen als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche und wirft der Regierung in Peking vor, andere Staaten mit nach unten zu ziehen. Der IWF sieht in den Vereinigten Staaten einen Investitionsschub rund um Künstliche Intelligenz, stützt darauf eine angehobene globale Wachstumsprognose und warnt zugleich vor den Risiken der jüngsten Handelsstreitigkeiten zwischen Washington und Peking.
Die Versorgung mit Seltenen Erden gilt als geopolitischer Druckpunkt: Die Metalle sind zwar verbreitet, doch die Verarbeitungskapazitäten sind knapp. Pekings strengere Aufsicht über den Sektor lässt westliche Firmen mit Verzögerungen in der Produktion und steigenden Kosten rechnen und rückt die praktischen Risiken dieser Strategie ins Rampenlicht. Darüber hinaus sanktioniert China eine südkoreanische Werft, der Unterstützung im Sinne US-amerikanischer Interessen vorgeworfen wird, und weitet den Handelskonflikt damit auf Drittstaaten aus. Ein Kommentar erwartet in der Handelspolitik ein Déjà-vu zwischen den USA und China und hält es für wahrscheinlich, dass Trumps Taktik der Eskalation erneut ins Leere läuft.
Rest der Welt – Kapitalströme und Branchenbilder
Das FirstFT-Briefing verweist auf eine harte Linie Pekings, meldet einen Rekordstand beim Silberpreis und berichtet von einer Hochkonjunktur für Einwanderungsanwälte. Investmentexpertin Nicole Grützmacher erläutert die Besonderheiten illiquider Anlagen und erklärt, warum Private-Equity-Investoren heute nicht mehr als Heuschrecken abgestempelt werden. In der globalen Autoindustrie gewinnen chinesische Marken an Gewicht, während deutsche Hersteller schwächer abschneiden; im Mittelpunkt steht, welche Autokonzerne weltweit gemessen am Umsatz den Ton angeben. In einer IWF-Runde wird moniert, ein neuer Bericht zeichne den wirtschaftlichen Hintergrund zu düster, zugleich werden nachvollziehbare Gründe für Skepsis gegenüber politischer Steuerung eingeräumt.
