Deutschland: Wohnkosten, Risiken und Strukturbrüche
Eine neue Untersuchung des Ifo-Instituts berichtet, dass die Preise bei Erstvermietungen in deutschen Metropolen seit 2013 um drei Viertel gestiegen sind. In manchen Fällen verschlingt die Miete nahezu die Hälfte des verfügbaren Einkommens, was laut Institut die Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarkts beeinträchtigt.
Aus der Branche kommt zusätzlich Druck: Der Hamburger Investor Stephan Gerlach bemängelt, dass Projektentwickler kaum neue Vorhaben starten. Liegenschaften mit erheblichem Sanierungsbedarf sind zwar günstig, rechnen sich nach seiner Einschätzung aber häufig nicht.
Die Zahl der Firmenpleiten kletterte im September erneut spürbar. Bereits im Juli lag das Niveau so hoch wie seit 2015 nicht mehr, und Fachleute erwarten für das laufende Jahr eine weitere Zunahme.
Finanzaufsicht und Strafverfolger haben mehr als 1.400 betrügerische Online-Seiten für den Wertpapierhandel aus dem Netz genommen. Millionen potenzieller Nutzender wurden umgeleitet, um sie auf Scheinplattformen zu locken und große Beträge abzuschöpfen. Zugleich zeigt sich ein Verhaltensmuster: Viele Marktteilnehmer schreiben positive Ergebnisse dem eigenen Geschick zu, obwohl oft Zufall dahintersteht.
Nach dem Börsengang von Ottobock ist die Pipeline neuer Emittenten ausgedünnt. In der Szene wird darüber spekuliert, ob Brainlab als nächster Kandidat auftreten könnte.
Die Hansestadt Hamburg hat sich mehrheitlich für ein beschleunigtes Ziel der Klimaneutralität ausgesprochen. Die Umsetzung gilt selbst dort als äußerst schwer, obwohl die Stadt als leistungsfähig gilt. Parallel kämpft der Gartenbau mit fehlenden Substituten für Torf und erschwerten Abbaubedingungen; über einen Kurswechsel der Bundespolitik wird erkennbar gestritten.
Aktuelle Hinweise deuten darauf, dass Anbieter von Elektroautos international an Boden gewinnen, während hierzulande weiterhin über ein Verbot klassischer Verbrennungsmotoren gestritten wird. Zunehmende Sabotage an Ladepunkten verursacht Schäden in Millionenhöhe; Unternehmen begegnen dem mit neuer Technik.
Der Buchhandel verliert pro Jahr rund eine halbe Million Kundinnen und Kunden, bis zu 100 Geschäfte verschwinden. Gleichzeitig fließen durch Erbfälle erhebliche Vermögensüberträge, von denen auch der Fiskus profitiert. In Nortrup erinnert ein großformatiger rot-weißer Zugkörper auf einer Wiese an die einstige Magnetschwebebahn-Vision, ohne dass Pläne für eine Wiederaufnahme genannt werden.
Ein beträchtlicher Anteil der innovativen Leistung stammt von Zugewanderten: Rund jedes siebte Schutzrecht in Deutschland geht auf Erfinderinnen und Erfinder mit Migrationshintergrund zurück, mit starker Beteiligung aus Ost- und Südosteuropa. In Debatten über Reformtempo wird darauf verwiesen, dass der Veränderungsdruck in Deutschland derzeit geringer ausfällt als einst in Großbritannien unter Margaret Thatcher.
Europa: Regulierung, Industrie und juristische Fronten
Der insolvente Solarmodulhersteller Meyer Burger hat keinen Geldgeber gefunden. Mehr als 600 Stellen entfallen, Anteilseigner bleiben ohne Ausgleich.
Die Einführung einer einheitlichen Mindestbesteuerung in der EU gerät ins Straucheln, da mehrere Mitgliedstaaten nicht mehr mitziehen. Vor den Beratungen des IWF steht Finanzminister Klingbeil dadurch stärker unter Zugzwang.
In Supermärkten der EU ist eine Angleichung der Verkaufspreise hoch umstritten. Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, bezeichnet die Forderung als irreführend und warnt davor, dass Handelsketten dadurch erhebliche Summen zulasten der Hersteller einbehalten könnten.
Ein teurer Goldkurs zusammen mit einer schwachen US-Leitwährung schmälert die Ertragslage von Luxusgüterproduzenten in Europa.
Die Niederlande entziehen einem chinesischen Anteilseigner die Kontrolle über Nexperia und unterbinden damit den Abfluss von Halbleiter-Know-how. Grundlage ist ein Gesetz, das mit den wirtschaftlichen Sicherheitsinteressen des Landes und Europas begründet wird.
Gegen René Benko beginnt am Dienstag ein erstes Verfahren. Dem früheren Milliardär drohen langjährige Haftstrafen.
Die Aktienmärkte sind erneut kräftig unter Druck geraten, zeigen aber die Tendenz, sich danach wieder zu fangen. Vom Rentenmarkt kommen Signale, die die Nervosität etwas dämpfen.
Fragen an den FT-Kommentator Chris Giles sind willkommen; das Live-Gespräch zu Haushaltskonsolidierung und ihren Folgen ist für Donnerstag, den 16. Oktober, um 13:00 Uhr BST angesetzt.
USA: Technologiepläne, Finanzimpulse und Handelspolitik
OpenAI erweitert seine Chip-Strategie und kooperiert nach Vereinbarungen mit Nvidia und AMD nun auch mit Broadcom. Erstmals soll die Entwicklung eigener Halbleiter aktiv mitgestaltet werden.
JPMorgan will bis zu 10 Milliarden US-Dollar investieren, um die US-Wirtschaft zu stärken. Vorstandschef Jamie Dimon kritisiert eine zu große Abhängigkeit von unsicheren Quellen bei sicherheitsrelevanten Materialien.
Nach Angaben von Bessent ist ein Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping noch in diesem Monat in Vorbereitung. Teams beider Seiten nehmen in dieser Woche Gespräche zum Handelskonflikt auf. Nachdem Trump Strafzölle von 100 Prozent in Aussicht gestellt hatte, schlug er mildere Töne an, worauf US-Aktien zulegten. Auf Pekings Signal zu Exportlizenzen für Seltene Erden folgte ein kurzer Rückzug des Präsidenten; der Vorgang wird als Hinweis auf eine weniger gefestigte Position interpretiert.
Kanada strebt sektorale Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten an. Industrieministerin Mélanie Joly äußert sich nach Gesprächen in Washington zuversichtlich; im Hintergrund stehen potenzielle Erfolge für die US-Regierung vor den Wahlen. Grenzen einer stärker hemisphärisch ausgerichteten Linie werden betont: Auch mit Fokus auf die eigene Region bleibt Washington auf Zusammenarbeit angewiesen.
Asien: Außenhandel, Rohstoffe und Standortpolitik
Chinas Außenhandel hat im September überraschend deutlich Fahrt aufgenommen. In Reaktion auf angedrohte massive Zollerhöhungen aus den USA werden Lieferströme verstärkt in Länder Südostasiens und nach Afrika verlagert. Peking nutzt Exportlizenzen für Seltene Erden als machtpolitisches Signal; die Wirkung wird als demütigend beschrieben, während für die EU ein Kurs der Entspannung empfohlen wird.
Rest der Welt: Energie, Luftfahrt und Geopolitik
Saudi-Arabien richtet seine Industriepolitik neu aus und plant einen breiten Einstieg in das Geschäft mit Automobilzulieferteilen. Der Industrieminister kündigt zugleich eine inhaltliche Neuausrichtung des Neom-Vorhabens an, was eine markante Kursänderung signalisiert.
Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur beschleunigt sich der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien bis 2030, obwohl es in den USA zu einem Rückgang kommt, der auf Behinderungen durch Donald Trump zurückgeführt wird. Das Wachstum wird von Ländern wie Indien, Pakistan und Saudi-Arabien getragen; die zusätzliche Kapazität bis 2030 entspricht zusammengenommen den Märkten China, Europa und Japan.
Lieferengpässe entlang der Wertschöpfungsketten belasten Airlines im Jahr 2024 mit mehr als 11 Milliarden US-Dollar. Engstellen bei Flugzeugherstellern und deren Zulieferern wirken sich unmittelbar auf Betrieb und Angebot aus.
Das energieaufwendige Mining von Bitcoin wird als Sicherheitsfundament des Netzwerks erläutert; der hohe Stromverbrauch bleibt ein zentraler Kritikpunkt.
Im hohen Norden entfaltet sich ein neues Ringen um Einfluss, bei dem Eisbrecherdiplomatie und wachsende Konkurrenz die Tonlage bestimmen. Der Bergbauunternehmer Robert Friedland warnt vor tiefgreifenden Auswirkungen von Handels- und politischen Konflikten auf Lieferketten bis hin zu einem möglichen Bruch der internationalen Ordnung.
Die Hamas hat die verbliebenen Geiseln, Lebende wie Tote, freigelassen; weitere Angaben dazu liegen nicht vor.
Wissenschaft und Auszeichnungen: Impulse für langfristiges Wachstum
Der Wirtschaftsnobelpreis 2025 geht an Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt für Arbeiten zu innovationsgetriebenem und nachhaltigem Wachstum. Ihre Forschung liefert zentrale Bausteine für langfristige Prosperität. Die Auszeichnung wird am Montag verliehen und ist mit einer Million Euro dotiert; frühere Preisträger sind sehr unterschiedlich mit dem Preisgeld umgegangen.
