Deutschland – Industrieknick, Gesetze, Haushaltskurs
Die heimische Fertigung hat im August kräftig nachgegeben: Die Gesamtproduktion sank um 4,3 Prozent, die Autobranche verzeichnete gar ein Minus von 18,5 Prozent. Das Ausstoßniveau rutschte damit auf den Stand von 2005 und verstärkt die Gefahr einer technischen Rezession.
Die Regierung rechnet in ihrer Herbstprojektion für 2025 nur mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent. Katherina Reiche stellt lediglich ein sehr kleines Plus in Aussicht und mahnt, den Reformstau aufzulösen. Ab 2026 wird ein Aufschwung erwartet. Gleichzeitig steigen in diesem Jahr die Sozialbeiträge für Besserverdienende infolge höherer Bemessungsgrenzen, auch Arbeitgeber werden stärker belastet. Die Anpassung erfolgt nach festgelegtem Verfahren.
Sicherheits- und Ordnungspolitik geraten ebenfalls in Bewegung. Der Versand medizinischen Cannabis wird untersagt. Zudem soll die Abwehr gegen zivile und militärische Drohnen deutlich ausgebaut werden, gestützt auf ein neues Bundespolizeigesetz, während Kritiker Eingriffe in Grundrechte befürchten. Haushaltspolitisch gab der zuständige Ausschuss grünes Licht für den Erwerb von 20 Eurofighter-Jets im Gegenwert von 3,75 Milliarden Euro.
Aufsichtsbehörden und Verbraucherfragen bleiben präsent. Das Bundeskartellamt untersucht den Onlinehändler Temu wegen möglicher Einflussnahme auf Preise und Vertragskonditionen. Bei der Girocard wird bundesweit ein neuer akustischer Bestätigungston mit ansteigender Tonfolge eingeführt. Der Modehändler DefShop hat Insolvenz angemeldet, nachdem sich Beschwerden bei Verbraucherzentralen gehäuft hatten. Die Regierung hat Korrekturen an der Klinikreform beschlossen, wodurch Krankenhäuser mehr Zeit für die Umsetzung neuer Qualitätsmaßstäbe erhalten. Zudem soll das Baugesetzbuch verschlankt werden, um Verfahren zu beschleunigen; die reduzierte Beteiligung der Bürger spart Zeit, erhöht jedoch das Konfliktpotenzial.
Im Automarkt mit Ladeanschluss dominiert der VW-Konzern fast die Hälfte der Neuzulassungen. Hinter dem Branchenprimus hat sich Skoda vor BMW geschoben, während Tesla eine Rückkehr verzeichnet.
Im Bildungs- und Innovationsumfeld sorgt der 3D-gedruckte Lernroboter »pib« für Impulse: Schülerinnen und Schüler bauen und programmieren das System selbst; Shota Qkujava vom Unternehmen Isento stellt das Vorhaben vor.
Die kommunalen Kassen verbuchten 2023 Rekordeinnahmen von über 400 Millionen Euro aus der Hundesteuer, während die Ausgaben der Halter durch steigende Futterpreise zusätzlich wachsen. Sozialpolitisch bahnt sich in der Koalition ein Kompromiss zur Reform des Bürgergelds mit strengeren Vorgaben an, um Missbrauch stärker einzudämmen. Die SPD drängt auf ein härteres Vorgehen. Der Koalitionsausschuss berät zugleich über das Aus für Verbrenner, mögliche Sanktionen beim Bürgergeld und die Priorisierung von Verkehrsprojekten – verbunden mit der Frage nach der Kompromissfähigkeit von Union und SPD.
Europa – Regulierung im Fokus und Industriepolitik
Das Europäische Parlament hat sich dafür ausgesprochen, pflanzenbasierten Ersatzprodukten Bezeichnungen wie Burger, Steak, Schnitzel und Wurst zu verwehren. Konservative Kräfte konnten sich durchsetzen; aus der Branche kommt scharfer Widerspruch. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den Mitgliedstaaten.
Auf der handelspolitischen Bühne bereitet die EU-Kommission höhere Zölle auf Stahlimporte vor, um Arbeitsplätze kurzfristig abzusichern. Damit nähert sich Brüssel der Linie Washingtons an und strebt eine engere Abstimmung mit den USA in der Stahlpolitik gegenüber China an.
Makrofinanzielle Risiken rücken ebenfalls in den Vordergrund. Die Bank of England und der Internationale Währungsfonds warnen vor einer KI-getriebenen Überhitzung mit Parallelen zur Dotcom-Phase. IWF-Chefin Kristalina Georgieva wie auch das britische Gremium für Finanzstabilität sehen die Möglichkeit einer abrupten Marktbereinigung; ein Vertrauensverlust in den aktuellen KI-Boom könnte weltweit ausstrahlen.
In der Industrie gab es eine bedeutende Transaktion: Der Schweizer Konzern ABB veräußert sein Industrierobotikgeschäft für 5,4 Milliarden US-Dollar an SoftBank und streicht den zuvor erwogenen Börsengang.
Im Energiesektor intensiviert Russland nach Angriffen aus der Ukraine die Benzinimporte aus Belarus deutlich, wodurch die Ausweitung der Bezugsmengen erforderlich wird.
USA – Fiskalstreit, Fed-Druck und Autobranche
In Washington treibt Russell Vought, ein Schlüsselfigur im Umfeld von Donald Trump, inmitten der Haushaltskrise weitreichende Ausgabenkürzungen voran. Die Vorschläge werden als besonders scharf eingestuft, wobei Erfahrungen aus dem Umfeld von Elon Musk als warnendes Beispiel angeführt werden.
Im transatlantischen Verhältnis fordert die US-Regierung Ausnahmen von europäischen Klimavorgaben als Bedingung für ein Handelsabkommen. Ziel ist es, amerikanische Unternehmen von Pflichten wie der Erstellung von Klimatransitionsplänen auszunehmen. Ohne Zugeständnisse droht die US-Seite mit dem Scheitern eines Deals.
Die Federal Reserve steht unter starkem politischem Druck von Donald Trump. Zugleich erschwert ein Regierungsstillstand die Datenerhebung, sodass die Notenbank mit eingeschränkter Informationslage agiert. An der Zollfront verharren die durchschnittlichen US-Abgaben bei ungefähr 10 Prozent; trotz lauter Ankündigungen blieb es bei diesem Niveau.
Im Autosektor reagiert Tesla auf die nach dem Auslaufen der US-Kaufprämie abflauende Nachfrage mit günstigeren, abgespeckten Versionen des Model Y und Model 3. Analysten bewerten diesen Schritt kritisch, die Perspektive für den deutschen Markt ist derzeit offen.
Asien – Chinas Maschinenbauer drängen vor
Chinesische Anbieter setzen Europas Kunststoffmaschinenbau zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Beobachtungen auf der K-Messe in Düsseldorf zeigen, dass Unternehmen aus China ihren Marktanteil massiv ausweiten und deutsche Hersteller im Standardsegment zurückdrängen.
Rest der Welt – Goldrausch, Klimaagenda und Sicherheit
Der Goldpreis hat erstmals die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze überschritten und liegt seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent im Plus. Begünstigt wird der Anstieg durch sinkende Zinsen, anhaltende Inflationssorgen und die Suche nach sicheren Anlagehäfen.
Im November trifft sich die internationale Klimaszene bei der COP30 im brasilianischen Belém. Spitzenpolitiker, Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten beraten dort über Weichenstellungen der Klimapolitik.
Im Gesundheitssektor sehen ein Investor und eine Wissenschaftlerin Potenzial, mithilfe von Künstlicher Intelligenz und epigenetischen Verfahren den Alterungsprozess zu verlangsamen oder sogar umzukehren – mit Aussicht auf bessere Gesundheit und geringere Kosten.
Im Rüstungsbereich übernimmt das deutsche Unternehmen Helsing einen australischen Hersteller von Unterwasserdrohnen. In Kombination mit eigener KI-Software und erweiterten Fertigungskapazitäten sollen Fähigkeiten zur U-Boot-Abwehr und zur Überwachung großer Seegebiete verbessert werden.
Aus Afrika kommen klare Worte zur Entwicklungshilfe: Zambias Präsident Hakainde Hichilema bezeichnet die Kürzungen der US-Hilfen als überfällig. Die überraschende Schließung von USAID sei zwar ein Schock, eröffne afrikanischen Staaten jedoch zugleich neue Chancen.
