Deutschland: Soziale Risse, teurer Wohnraum, industriepolitische Reibungen
Die finanziellen Spielräume vieler Älterer schrumpfen: Rund ein Fünftel der Rentenbeziehenden verfügt monatlich über höchstens 1.400 Euro netto. Die Vermögensunterschiede nehmen auch im Ruhestand zu, und immer mehr Menschen im Alter sind auf Grundsicherung angewiesen.
Am Wohnungsmarkt ziehen die Kosten deutlich an. Mieten steigen um bis zu 8,5 Prozent, auch Kaufpreise legen zu. Gleichzeitig richtet sich die Suche nach Wohnraum zunehmend auf Regionen jenseits der großen Zentren.
In der Bundespolitik treibt das Lager aus Union und SPD eine Verschlankung der Verwaltung über eine Modernisierungsagenda voran und strebt weniger Regulierung an. Der Vorstoß von Merz wird daraufhin geprüft, ob er über bereits angekündigte Maßnahmen hinausreicht. Umstritten bleibt die geplante Steuerbefreiung für Zuschläge bei Mehrarbeit: Die konkrete Ausgestaltung ist offen, Fachleute äußern Vorbehalte, und unterm Strich blieben 3,50 Euro pro zusätzlicher Arbeitsstunde.
Belastungstests an Flughäfen haben Schwachstellen bei Treibstoffversorgung, IT-Sicherheit und Drohnenabwehr offengelegt. Mehr Schutz ist vorgesehen, die Umsetzung gestaltet sich jedoch komplex. Pläne zur Einbindung der Bundeswehr gewinnen an Kontur, während die Finanzierung die Debatte bestimmt.
Die Arzneimittelversorgung bleibt fragil. Seit Jahren kommt es bei etwa 500 Präparaten immer wieder zu Engpässen, häufig bei Antibiotika. Der wirtschaftliche Anreiz zur Produktion gilt vielfach als zu gering, organisatorische Reibungen verschärfen die Lieferprobleme.
Bei Volkswagen wurden 500 Beschäftigte wegen Verstößen gegen Pflichten entlassen. An den sechs deutschen Standorten verließen in diesem Jahr bereits mehr als 300 Mitarbeitende das Unternehmen; die Belegschaft wurde intern über Hintergründe informiert. Das häufigste Motiv für Abmahnungen ist unentschuldigtes Fernbleiben. Arbeitsrechtler Marcus Iske skizziert, wie Firmen mit steigenden Fehlzeiten angemessen umgehen können.
Im Kapitalmarkt bereitet Ottobock einen Börsengang mit einem angestrebten Volumen von rund vier Milliarden Euro vor. Die Kennzahlen stützen die Bewertung, als Unsicherheitsfaktor gilt der Großaktionär Hans Georg Näder. Der frühere Umbauer von Continental, Olaf Schick, wechselt als Manager zu Mercedes. Bei Schiesser setzt Sonja Balodis auf einen optischen Neustart der Marke; sie sieht Spitze als Trendthema und meidet den klassischen Unterwäschebegriff.
In der Verkehrspolitik will die CDU den Ausstieg aus dem Verbrenner zurückdrehen, teils wird sogar das Klimaziel angezweifelt. Der Spitzentermin zur Automobilindustrie im Kanzleramt belastet die Regierungsparteien. Niedersachsens Regierungschef Olaf Lies, zugleich VW-Aufsichtsrat, plädiert für ein Ende der Auseinandersetzung um das Verbrennerverbot und kritisiert eine rückwärtsgewandte Debatte sowie Angriffe auf seine Partei.
Europa: EZB-Signale, Quantenkapital und britische Haushaltspolitik
Die Commerzbank hat mit Künstlicher Intelligenz herausgearbeitet, wessen Stimmen im EZB-Rat für Zinsausblicke besonderes Gewicht haben. Vertreter kleinerer Länder des Währungsraums rangieren dabei weit oben.
In Kopenhagen startet ein Wagniskapitalfonds über 300 Millionen Euro für Quantentechnologien. Erste Zusagen gehen an Gründerinnen und Gründer aus Deutschland, Ziel ist es, die Entwicklung und Finanzierung europäischer Start-ups in diesem Feld zu beschleunigen.
Im Vereinigten Königreich wird im bevorstehenden Budget ein Kurswechsel erwartet, nachdem der Handel vor höheren Lebensmittelpreisen bei steigenden Abgaben gewarnt hat. Reeves gilt als bereit, vorgesehene Erhöhungen der Abgabenlast für den Einzelhandel zurückzunehmen.
Das internationale Briefing von FirstFT thematisiert Berichte über aufgerüstete Raketen auf russischer Seite, die die ukrainische Abwehr schwächen sollen, und beleuchtet die Lage der südafrikanischen Autohersteller. Zudem steht ein FT-Expertenformat mit Tej Parikh und Martin Sandbu für Donnerstag, 9. Oktober, um 13:00 BST im Kalender; Thema ist die Widerstandskraft der Weltwirtschaft gegenüber neuen Schocks.
USA: Handelspolitik, Haushaltsblockade und Tech-Bewertungen
Neue Einfuhrabgaben auf Arzneimittel, die Donald Trump zum 1. Oktober angekündigt hatte, treten vorerst nicht in Kraft; der Start verzögert sich. Parallel streicht Trump Förderungen für den Absatz von Elektroautos, Branchenmanager rechnen mit einem massiven Rückgang der Verkäufe.
Die erbitterten Haushaltsverhandlungen im Kongress bleiben ergebnislos. Weitere Abstimmungen über einen Übergangsetat kommen nicht zustande, während die Regierung Trump New York ins Visier nimmt.
BMW meldet derzeit eine kräftige Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Nordamerika. Kein anderer Standort des Konzerns fertigt so viele Fahrzeuge wie das US-Werk in Spartanburg. Nordamerika-Chef Sebastian Mackensen äußert sich außerdem zu Trumps Zöllen und den Belastungen der Branche.
Die Begeisterung für Anwendungen Künstlicher Intelligenz treibt die Bewertung von OpenAI auf 500 Milliarden Dollar. Der Markt bepreist Potenziale zunehmend offensiv und hebt Unternehmenswerte. Das geschätzte Vermögen von Elon Musk steigt trotz eines Streits mit Präsident Donald Trump und monatelanger Schwäche bei Tesla auf 500 Milliarden Dollar, was den Höhenflug einzelner Tech-Vermögen unterstreicht.
Asien: Netzpolitik aus Peking und europäische Folgen
Chinas Behörden beschränken aus Gründen der nationalen Sicherheit den Einsatz von Technik der Anbieter Nokia und Ericsson in Telekomnetzen. Gleichzeitig behauptet Huawei sein Geschäft auf dem europäischen Kontinent.
Rest der Welt: Währungsstütze und Zolldruck
In Argentinien greift Präsident Javier Milei auf Devisenreserven zurück, um den Peso zu stabilisieren. Ein Kommentar warnt, dass selbst Unterstützung durch Trump nicht vor alten Fehlern schützt.
US-Einfuhrzölle setzen die südafrikanische Automobilbranche unter Druck. Seit der Einführung sind die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten stark eingebrochen, was die Koalition von Cyril Ramaphosa zusätzlich belastet.
