Deutschland: Stimmung kippt, Baubeschleunigung und Unternehmensdruck
Die konjunkturelle Lageeinschätzung fällt im September spürbar schwächer aus: Der einschlägige Klimawert sinkt auf 87,7 Punkte und markiert die erste Verschlechterung seit mehreren Monaten. Vor allem Anbieter von Dienstleistungen beurteilen ihre Situation deutlich zurückhaltender, während sich in einem zentralen Industriezweig zuletzt eine spürbare Verbesserung zeigte.
Am Wohnungsmarkt ziehen die Preise weiter an, während in den Metropolräumen der Mangel an verfügbaren Wohnungen anhält. Die Bundesregierung setzt auf eine beschleunigte Bauoffensive; jüngste Zahlen zu Genehmigungen nähren die Hoffnung auf mehr Bewegung in der Pipeline.
Im Mittelstand wächst die Sorge um die eigene Zukunft. Viele Unternehmen spüren hohen Konkurrenz- und Innovationsdruck. Kerstin Hochmüller von der Marantec Group betont in einem Podcast, dass kooperative Ansätze derzeit an Bedeutung gewinnen. Zugleich berichtet sie von verbreiteter Ermüdung in den Chefetagen.
Auf dem Kapitalmarkt sorgt eine Prüfung der Bafin bei Gerresheimer für Unruhe. Die Aufsicht untersucht den Verdacht, der Konzern könne Erlöse zu früh bilanziert haben. Die Meldung löste hektische Verkäufe aus, der Kurs geriet spürbar unter Druck.
Der frühere Manager Markus Braun, seit fünf Jahren in Untersuchungshaft, meldet sich erstmals seit dem Zusammenbruch seines früheren Unternehmens zu Wort. Er spricht von einem entwerteten Verfahren, beschreibt extreme persönliche Belastungen und wirft der Justiz vor, ihn ohne ausreichende Grundlage festzuhalten. Zugleich betont er, seinen Optimismus nicht aufgegeben zu haben.
Aus der Landwirtschaft kommen Alarmrufe: Der Verband der Milchviehhalter rechnet im Falle eines deutlichen Preisrückgangs mit Verlusten in Milliardenhöhe. Betriebe sähen ihre Existenz gefährdet, die Verantwortung verortet der Verband bei der Politik.
Europa: Energienetze im Umbau, Luftfahrtprojekt unter Druck
Die Niederlande veräußern einen großen Anteil am Netzbetreiber Tennet, um umfangreiche Mittel für den Ausbau der Strominfrastruktur zu mobilisieren. Ein Bündnis unter Beteiligung des norwegischen Staatsfonds steigt damit in das deutsche Übertragungsnetz ein, während die Bundesregierung einen möglichen Einstieg weiterhin abwägt. Der Verkauf soll die Finanzierung der teuren Ausbauschritte in den kommenden Jahren erleichtern.
Im Streit um das europäische Kampfflugzeugprogramm pocht Dassault auf eine führende Rolle und stellt einen Alleingang in Aussicht. Deutschland sondiert Alternativen. Der Konflikt setzt das Vorhaben mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro erheblich unter Druck und gefährdet den Fortgang des Projekts.
USA: Zollkurs belastet die Autoindustrie jenseits des Atlantiks
Stellantis fährt die Produktion an mehreren Standorten herunter, darunter laut Bericht auch das Werk in Eisenach. Das Unternehmen verweist auf die Belastungen durch Zölle, die unter Präsident Trump eingeführt wurden, und reagiert damit auf eine schwierige Gesamtlage. Konkrete Angaben zu Umfang und Dauer der Stillstände liegen nicht vor.
Globale Perspektive: Moskaus Mehrwertsteuer als Kriegskasse
Russland hebt die Umsatzsteuer an, um die Kosten des Krieges zu schultern. Die Wirtschaft, die nach einer Umstellung auf eine Kriegswirtschaft trotz Sanktionen zunächst robust wirkte, gerät zunehmend ins Stottern. Die Regierung greift daher stärker in die Taschen der Verbraucher; konkrete Steuersätze bleiben offen.